Erholung des Hypothekenmarktes in Italien sehr langsam

Kop-munt,  Mittwoch, 23. August 2017

Landschaft Abruzzen 

Nach Jahren der Schrumpfung zeigen die italienischen Hauspreise erstmals in diesem Jahr wieder ein bescheidenes Wachstum. Standard & Poor's prognostiziert in einem in diesem Monat veröffentlichten Bericht einen durchschnittlichen Anstieg von 0,5 Prozent. Italien hat den schlechtesten Wohnungsmarkt in Europa.

Italien erholt sich nur sehr langsam von der Finanzkrise. Eurostat-Daten von Eurostat zeigen, dass der italienische Wohnungsmarkt als einziger in Europa seit 2010 an Wert verloren hat. Auch Spanien ist seit Anfang 2015 auf dem Vormarsch. Die langsame konjunkturelle Erholung erschwert den Wohnungsmarkt. Der durchschnittliche italienische Staatsangehörige zieht es vor, seinen Verlust zu akzeptieren, vorausgesetzt, dass sich der Wohnungsmarkt zu einem späteren Zeitpunkt erholen wird. Die Zahl der Verkäufe von Eigenheimen hat sich zwischen 2006 (860.000) und 2013 (403.000) mehr als halbiert. Der Wohnungsmarkt war damit abgesperrt, kaum neue Häuser verkauft und Bauträger und andere Beteiligte in der Immobilienkette waren in Schwierigkeiten. So sehr, dass der Immobiliensektor für fast die Hälfte aller Problemkredite der Banken verantwortlich ist, die dadurch in Schwierigkeiten geraten sind. Zu Beginn dieses Jahres musste Italien zwei Banken für 17 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch retten.

Endlich wieder Wachstum

Der Hypothekenmarkt hingegen zeigt ein gesundes Wachstum. Obwohl die Wohnwerte nicht gestiegen sind, steigt die Zahl der Verkäufe seit 2014. So sehr, dass die Associazione Bancaria Italiana angekündigt, dass im Jahr 2015, das Volumen der privaten Hypotheken um 97% gegenüber dem Vorjahr erhöht. Insgesamt liegt der italienische Markt bei 361,8 Mrd. Euro an Hypothekarkrediten.

Längere Zinsbindungsfristen

Die durchschnittliche italienische Hypothek beläuft sich auf 119.000 Euro und hat einen LTV von 69,3 Prozent und einen Zinssatz von 2,5 Prozent. Die Laufzeit der italienischen Hypotheken war immer relativ kurz - etwa fünfzehn bis zwanzig Jahre - aber in den letzten Jahren hat sich diese in Richtung dreißig Jahre verschoben. Aufgrund der niedrigen Zinsen werden variable Zinssätze nicht mehr bevorzugt, mehr als die Hälfte der Hypotheken werden mit einer langen Zinsbindungsfrist, oft der vollen Laufzeit, abgeschlossen.

Hypothekenanbieter sind relativ streng und achten vor allem auf das Einkommen: Die monatlichen Wohnkosten sollten 30% des Einkommens nicht überschreiten.

Der Hypothekenmarkt ist fragmentiert: 80 Banken machen rund 80% des Marktes aus. Hypothek Berater, unabhängig oder nicht, erhalten in der Regel bessere Angebote für ihre Kunden als wenn sie direkt bei der Bank anrufen. Eine Provision kann bis zu 3% der Kreditsumme betragen.

Einsteigern

Um den Einsteigern den Start auf dem Wohnungsmarkt etwas zu erleichtern, hat die italienische Regierung Steuernachlässe für diejenigen, die zum ersten Mal ein Haus kaufen. Darüber hinaus besteht seit 2014 der Garanzia Prima Casa Fund, eine Art Nationale Hypothekargarantie, bei der der Staat die Hälfte der Hypotheken bis zu 250.000 Euro garantiert. Allerdings sind nicht alle Banken daran beteiligt, und Analysten der Rating-Agentur Fitch zufolge hat das System wenig Wirkung.

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