Ökologisches Wohnen in Schweden

Lennart Beck,  Samstag, 27. August 2022

Sommerhaus in Schweden 

Dämmung des Hauses

In Schweden sind die klimatische Verhältnisse anders als in Mitteleuropa.
Es ist nicht nur der Fakt, dass es kälter ist. Mit Ausnahme von Südschweden, wo noch die Ausläufer des Golfstroms zum Tragen kommen, gibt es monatelang Minusgrade - also sind Boden und Wände bis zu einer bestimmten Tiefe "durchgefroren".
In Mitteleuropa geht es ständig hin und her, ein Wechsel zwischen Frieren und Tauen. Deshalb wird in Mitteleuropa von aussen gedämmt, der Frostpunkt sitzt in der Isolation. Das bewirkt, dass sich am sogenannten Taupunkt (da wo 0° sind) kein Schwitzwasser bilden kann. (Isolation führt kein Wasser, Mauerwerk ja.)
Im Norden wird gern innen gedämmt weil es billiger ist. Da es nicht ständig taut, gibt es viel weniger Tauwasser. Statt einer überdimensionierten zentimeterdicken Dä,mmung wie in Deutschland lässt man die Wände durchfrieren, macht sie etwas dicker - aber dünnere Isolationen. Der Effekt ist letztendlich der gleiche.
Bei Innendämmung braucht man extrem teure Dübel zum Aufhängen von z.B. Küchenmöbeln (Stück 35 Euro)

Dämmung, Fensterqualität und Heizung müssen aufeinander angepasst sein, das heisst, etwa aus dem gleichen Baujahr sein.
Wenn toll gedämmt ist, tolle Fenster drin sind, aber eine ältere Heizung vorhanden ist, dann geht die Heizung ständig an und aus, weil sie überdimensioniert ist. Das verbraucht sehr viel und in wenigen Jahren geht die Heizung kaputt.

Eine helle Fassade reflektiert Sonnenwärme, dunkle absorbiert Wärme und heizt tagsüber die Wände auf.
Nicht zufällig haben sich die dunkelroten Holzfassaden in Skandinavien durchgesetzt, das ist nicht nur traditionelle Optik, das hat ganz einfach praktische Auswirkungen.
Helle Fensterrahmen wiederum verhindern einen zu starken Temperaturabfall zwischen Glas und Rahmen.
Dieser würde zu Rissen führen (bei sehr modernen Fenstern ist das aber vernachlässigbar.

Fenster der Immobilie

Im Norden sind die Fenster kleiner (zum Schutz vor Wärmeverlust).
Man kann zwar mittlerweile Fenster bauen, die genausogut isolieren wie isoliertes Mauerwerk, diese Scheiben sind aber ungleich teurer.
Vollverglaste Immobilien sind also bautechnisch problematisch im Dauerfrostbereich.
Hinzu kommen der Schneefall sowie der seitliche Schneedruck.
Glas bis zum Boden gibts eigentlich nur dort, wo darüber sich eine Veranda oder ein Vordach befinden.
2 m Schnee würden in der Tauperiode die Scheibe eindrücken.

Grosse Fenster im Süden können jedoch bis zu 30% Heizleistung sparen, wenn die Sonne scheint (auch bzw. gerade im Winter).

Schäden am Holz

Vergrautes Holz und stellenweise Bläue sind in Schweden weit weniger kritisch als in Deutschland. Nur wenn das Holz irgendwo konstruktionsbedingt ständig nass ist, muss man näher nachsehen.

Sauna

Die Sauna sollte sehr gut gedämmt sein, weil sie sonst riesige Energiemengen frisst. Doppeltes Isolierglas mit 16 mm Vakuum sollten schon vorhanden sein.

Weitere praktische Hinweise

Warmwasserbereitung per Strom ist teurer als mit Gas oder Öl. Auch wenn Strom in Schweden billiger als z.B. in Deutschland ist - das muss nicht so bleiben.
Sind überall ausreichend !!! Steckdosen vorhanden? Gerade in der Küche wird da gern gespart und dann hat man einerseits Verteiler rumliegen und andererseits sind diese überlastet und können heiss werden.
Gibt es eine Steckdose am Carport für Motorheizung über Nacht?
Wie sieht der Eingang bei 2 m Schnee aus? Eine Treppe hat den Vorteil, dass man nicht x-mal täglich schippen muss.

Umwelttechnische Fragen, die eine Rolle spielen könnten

Regenwasser-Rückgewinnung für Toilettenspülung und Waschmaschine. Die Toilette ist der mit Abstand grösste Wasserverbraucher eines Hauses, Regen kostet kein Geld - das hängt aber davon ab, wie die Abrechnungsmodalitäten sind (über Wasserzähler oder über Abwasserzähler)
Solarzellen zur Warmwasserbereitung lohnen sich, wenn es staatlich gefördert wird. Wenn welche verbaut sind, Verträge kontrollieren. Manchmal laufen Förderungen 5 jahre, die Finanzierung aber doppelt so lange.
Photovoltaik (Solarzellen zur Stromgewinnung) sind in Schweden ausser bei reinen High-Tech-Häusern Augenwischerei, weil zu lange Schnee auf den Dächern liegt und sie dann wirkungslos sind. Ein nicht unerheblicher Teil der Energie wird benötigt, den Schnee zu schmelzen.
 


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